tarifsonne

Das Tarifsonne-Prinzip: Sonnenstrom erzeugen, speichern, teilen – und den Rest günstig einkaufen

Ob Balkonkraftwerk, PV-Anlage auf dem Dach, Mehrfamilienhaus oder E-Auto: Die meisten verschenken mit ihrem Sonnenstrom noch viel Geld. Mittags fließt der Strom ungenutzt ins Netz, abends kaufen sie teuren Strom zurück. Und der Strom, der zugekauft wird, kostet zu jeder Stunde gleich viel. Das muss nicht sein.

Ich bin Andreas Walkenhorst und arbeite seit über zwölf Jahren in der Energiebranche. In meinen Beratungen sehe ich immer wieder dasselbe: Anlage, Speicher, Zähler, Auto und Stromvertrag werden einzeln betrachtet. Ihre volle Wirkung entfalten sie aber erst zusammen. Genau das beschreibt das Tarifsonne-Prinzip.

Kurz gesagt

  • Erzeugen: Ein Balkonkraftwerk oder eine PV-Anlage auf dem Dach liefert tagsüber eigenen Strom.
  • Speichern: Ein Batteriespeicher – oder der Akku Ihres E-Autos – hebt den Überschuss für später auf.
  • Steuern: Ein Energiemanagementsystem (EMS) entscheidet, wohin der Strom fließt.
  • Messen: Ein Smart Meter Gateway misst Ihren Verbrauch viertelstündlich.
  • Teilen: Mit Mieterstrom, gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung oder Energy Sharing nutzen auch Nachbarn und Mieter den Sonnenstrom.
  • Sparen: Ein dynamischer Stromtarif lässt Sie den Reststrom in den günstigsten Stunden einkaufen.

Warum eigener Strom allein nicht reicht

Eine Solaranlage erzeugt dann am meisten Strom, wenn viele nicht zu Hause sind: mittags. Was Sie in diesem Moment nicht selbst verbrauchen, fließt ins öffentliche Netz. Beim Balkonkraftwerk bekommen Sie dafür in der Regel kein Geld, bei einer neuen PV-Anlage nur wenige Cent je Kilowattstunde.

Abends, wenn gekocht, gewaschen, geladen und ferngesehen wird, scheint keine Sonne mehr. Dann kaufen Sie Strom zum vollen Preis Ihres Tarifs ein. Ihre Anlage spart also nur einen Teil dessen, was sie erzeugt.

Dazu kommt: Bei einem klassischen Stromtarif zahlen Sie für jede Kilowattstunde denselben Preis, egal ob gerade viel günstiger Wind- und Solarstrom im Netz ist oder nicht. Diese Preisunterschiede an der Strombörse gehen an Ihnen vorbei.

Das Tarifsonne-Prinzip setzt an beiden Stellen an: Es macht mehr aus Ihrem eigenen Strom. Und es macht den zugekauften Strom günstiger.

Die sechs Bausteine

1. Erzeugen: Balkonkraftwerk oder PV-Anlage

Ein Steckersolargerät, oft Balkonkraftwerk genannt, ist der einfachste Einstieg. Erlaubt sind nach aktuellem Stand bis zu 800 Watt Wechselrichterleistung, die Anmeldung erfolgt nur im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Auch als Mieter oder in einer Eigentümergemeinschaft haben Sie heute deutlich bessere Karten als früher. Sprechen Sie Ihr Vorhaben trotzdem vorher mit Vermieter oder Verwaltung ab. Mehr dazu im Bereich Balkonkraftwerk.

Wer ein eigenes Dach hat, erzeugt mit einer PV-Anlage ein Vielfaches davon. Steht ohnehin eine Dachsanierung an, lohnt es sich, beides gemeinsam zu planen: Das Gerüst wird nur einmal bezahlt, und Förderungen für Dach und Anlage lassen sich oft kombinieren. Mehr dazu unter Dach & PV und im Ratgeber Dach und PV gemeinsam planen.

2. Speichern: Batteriespeicher und E-Auto

Ein Speicher nimmt den Solarstrom auf, den Sie mittags nicht verbrauchen, und gibt ihn abends wieder ab. So nutzen Sie einen deutlich größeren Teil Ihres eigenen Stroms. Viele Speicher lassen sich an ein bestehendes Balkonkraftwerk anschließen; achten Sie darauf, dass Speicher und Wechselrichter zusammenpassen. Mit Speicher sollten Sie eine Elektrofachkraft hinzuziehen und die Anlage beim Netzbetreiber melden.

Der größte Speicher steht oft in der Garage: Ein E-Auto hat ein Vielfaches der Kapazität eines Hausspeichers. Mit einer Wallbox, die nach PV-Überschuss lädt, landet Ihr Mittagsstrom direkt im Auto. Das ist die günstigste Art, elektrisch zu fahren. Mehr dazu im Ratgeber E-Auto mit eigenem Solarstrom laden.

Einige Speicher und Wallboxen können zusätzlich Strom aus dem Netz laden, wenn er besonders günstig ist. Das wird mit einem dynamischen Tarif interessant, dazu gleich mehr.

3. Steuern: das Energiemanagementsystem (EMS)

Das EMS ist das Gehirn des Systems. Es weiß, wie viel Strom gerade erzeugt und verbraucht wird. Daraus entscheidet es, ob der Strom ins Haus, in den Speicher, ins Auto, in die Wärmepumpe oder ins Netz geht.

Mit einem dynamischen Tarif kennt ein gutes EMS auch die Strompreise der nächsten Stunden. Dann kann es Speicher und Auto gezielt in günstigen Stunden laden. Wallbox und Wärmepumpe gelten außerdem als steuerbare Verbraucher nach § 14a EnWG; dafür erhalten Sie reduzierte Netzentgelte. Mehr dazu unter Energiemanagement.

4. Messen: das Smart Meter Gateway

Viele Haushalte haben bereits einen digitalen Zähler, eine sogenannte moderne Messeinrichtung. Er zeigt den Verbrauch an, sendet aber keine Daten. Für einen dynamischen Tarif, für § 14a und für Modelle wie Mieterstrom brauchen Sie mehr: ein intelligentes Messsystem, kurz iMSys. Das ist der digitale Zähler plus ein Smart Meter Gateway.

Das Gateway übermittelt Ihren Verbrauch sicher in Viertelstunden-Werten. Erst damit kann ein Anbieter Ihnen für jede Stunde einen anderen Preis berechnen, und erst damit lässt sich Strom innerhalb eines Hauses sauber aufteilen. Den Einbau organisiere ich für Sie über meinen Partner SpotmyEnergy. Alternativ beantragen Sie ihn bei Ihrem zuständigen Messstellenbetreiber, dort sind die Kosten gesetzlich gedeckelt.

Hier sehe ich in meiner Beratung die größte Lücke: Der Zähler wird fast immer vergessen. Ohne ihn bleibt der günstigste Teil des Prinzips verschlossen.

5. Teilen: Mieterstrom, GGV und Energy Sharing

Sonnenstrom muss nicht an der eigenen Wohnungstür enden. In Mehrfamilienhäusern gibt es heute mehrere Wege, den Strom vom Dach an die Bewohner weiterzugeben:

  • Mieterstrom: Der Vermieter oder ein Dienstleister liefert den Solarstrom vom Dach an die Mieter, inklusive Reststrom aus dem Netz. Dafür gibt es einen Mieterstromzuschlag.
  • Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV): Die einfachere Variante. Der Solarstrom wird im Haus aufgeteilt, den Reststrom bezieht jeder weiter von seinem eigenen Anbieter.
  • Energy Sharing: Strom aus einer Anlage wird über das öffentliche Netz mit Nachbarn in der Umgebung geteilt.

Für Vermieter und Eigentümergemeinschaften wird eine PV-Anlage damit deutlich attraktiver. Für Mieter heißt das: günstiger Sonnenstrom ohne eigene Anlage.

6. Sparen: der dynamische Stromtarif

Bei einem dynamischen Tarif ändert sich Ihr Strompreis stündlich oder viertelstündlich mit dem Preis an der Strombörse. Wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist, wird Strom günstig. In knappen Stunden wird er teurer. Seit 2025 muss jeder Stromanbieter seinen Kunden mit intelligentem Messsystem einen solchen Tarif anbieten.

Den dynamischen Tarif von Rabot Energy kann ich Ihnen direkt anbieten. Ich prüfe aber immer auch, ob ein anderer Tarif besser zu Ihnen passt. Ein dynamischer Tarif lohnt sich vor allem, wenn Sie Verbrauch verschieben können: mit einem Speicher, einem E-Auto, einer Wärmepumpe oder einer Spülmaschine mit Startzeit. Wer gar nichts verschieben kann, trägt das Risiko teurer Stunden ohne Ausgleich. Mehr dazu im Ratgeber Dynamischer Stromtarif fürs E-Auto.

Ein Tag mit dem Tarifsonne-Prinzip

So arbeiten die Bausteine an einem sonnigen Tag zusammen:

  • Früh am Morgen: Die Sonne steht noch tief. Ihr Haus nutzt den Strom, den der Speicher am Vortag aufgehoben oder nachts günstig geladen hat.
  • Mittags: Die Anlage liefert mehr, als Sie gerade brauchen. Das EMS lässt den Speicher volllaufen und lädt das E-Auto mit dem Überschuss, statt den Strom zu verschenken. Im Mehrfamilienhaus nutzen die Nachbarn mit.
  • Nachmittags: An sonnigen und windigen Tagen sinkt der Börsenpreis oft deutlich. Jetzt lohnt es sich, Waschmaschine, Spülmaschine oder Wärmepumpe laufen zu lassen.
  • Abends: Der Strompreis steigt meist, die Sonne ist weg. Der Speicher gibt seinen Strom ab, Sie kaufen kaum etwas zum teuren Abendpreis.
  • Nachts: Ist der Strom in einigen Stunden besonders günstig, laden Speicher und E-Auto dann nach, gesteuert vom EMS.

Das Ergebnis: Sie nutzen mehr eigenen Strom und kaufen den Rest dann, wenn er am wenigsten kostet. Wie viel das in Ihrem Fall bringt, hängt von Ihrem Verbrauch, Ihrem Standort und Ihrer Ausstattung ab.

Für wen lohnt sich das Tarifsonne-Prinzip?

Das Prinzip passt besonders gut zu Ihnen, wenn einiges hiervon zutrifft:

  • Sie haben ein Balkonkraftwerk oder eine PV-Anlage oder planen eine.
  • Ein Teil Ihres Solarstroms fließt mittags ungenutzt ins Netz.
  • Sie fahren elektrisch oder wollen umsteigen.
  • Sie heizen mit einer Wärmepumpe oder planen eine.
  • Sie vermieten Wohnungen oder leben in einer Eigentümergemeinschaft mit geeignetem Dach.
  • Sie können Geräte zeitversetzt laufen lassen, etwa Wasch- oder Spülmaschine.
  • Ihr Stromanbieter hat zuletzt die Preise erhöht.

Weniger geeignet ist das Prinzip, wenn Sie sehr wenig Strom verbrauchen und keinen Verbrauch verschieben können.

Ihr Weg in sechs Schritten

  1. Bestand prüfen: Welchen Zähler haben Sie, welchen Tarif, wie viel Strom verbrauchen Sie im Jahr? Ihre letzte Jahresabrechnung reicht dafür.
  2. Erzeugung wählen: Balkonkraftwerk für den Einstieg oder PV-Anlage auf dem Dach, am besten gleich erweiterbar. Mehr dazu unter Balkonkraftwerk und Dach & PV.
  3. Speicher, Wallbox und EMS abstimmen: Achten Sie darauf, dass alles zusammenpasst und Preise aus einem dynamischen Tarif nutzen kann. Mehr dazu unter Speicher & EMS und E-Mobilität.
  4. Smart Meter Gateway einbauen lassen: Ich organisiere den Einbau eines intelligenten Messsystems über meinen Partner SpotmyEnergy. Alternativ beantragen Sie ihn bei Ihrem zuständigen Messstellenbetreiber. So geht es: Smart Meter Gateway beantragen.
  5. Im Mehrfamilienhaus: Teilen klären: Mieterstrom, GGV oder Energy Sharing – was passt zu Ihrem Haus? Mehr dazu unter Mieterstrom & Sharing.
  6. Tarif prüfen und wechseln: Ich prüfe für Sie kostenlos, ob ein dynamischer oder ein klassischer Tarif besser zu Ihnen passt. Den dynamischen Tarif von Rabot und viele klassische Tarife vermittle ich Ihnen direkt.

Ihr kostenloser Strom-Check

Schicken Sie mir Ihre letzte Stromabrechnung. Innerhalb von 36 Stunden erhalten Sie meine Einschätzung, ob sich ein dynamischer Tarif für Sie lohnt, und ein konkretes Angebot, auf Wunsch inklusive Smart Meter. Für Sie entstehen keine Kosten.

Häufige Fragen

Brauche ich alle sechs Bausteine?
Nein. Jeder Baustein bringt für sich schon etwas, und „Teilen“ betrifft vor allem Mehrfamilienhäuser. Die größte Wirkung entsteht, wenn Erzeugung, Speicher, Steuerung, Zähler und Tarif zusammenspielen. Sie können Schritt für Schritt vorgehen.

Funktioniert ein dynamischer Tarif ohne Smart Meter Gateway?
Nein. Ihr Anbieter braucht Ihre Verbrauchswerte je Viertelstunde, um stündlich unterschiedliche Preise abzurechnen. Das geht nur mit einem intelligenten Messsystem. Das biete ich Ihnen auf Wunsch gleich mit an.

Ist ein dynamischer Tarif riskant?
Der Preis kann in einzelnen Stunden deutlich steigen. Wer Verbrauch verschieben kann, profitiert meist von den günstigen Stunden. Wer das nicht kann, sollte genau rechnen. Ich sage Ihnen ehrlich, wenn ein klassischer Tarif für Sie besser ist.

Kann ich als Mieter mitmachen?
Ja. Balkonkraftwerk, Speicher und Tarif können Sie selbst wählen. Den Zähler baut ein Messstellenbetreiber ein, nicht Ihr Vermieter. Und wenn Ihr Vermieter eine PV-Anlage aufs Dach setzt, können Sie über Mieterstrom oder GGV günstigen Solarstrom beziehen. Sprechen Sie die Montage am Balkon trotzdem vorher ab.

Lohnt sich das Prinzip auch mit E-Auto ohne eigene PV-Anlage?
Ja. Schon ein dynamischer Tarif mit nächtlichem Laden in den günstigsten Stunden senkt Ihre Ladekosten deutlich. Mit eigener Anlage wird es noch günstiger.

Was kostet mich Ihre Beratung?
Nichts. Ich werde von den Energieanbietern und Partnern bezahlt, mit denen Sie einen Vertrag abschließen. Wie Tarifsonne Geld verdient, erkläre ich offen auf meiner Transparenzseite.

Ist meine Anlage versichert?
Das hängt von Ihrer Hausrat-, Wohngebäude- und Haftpflichtversicherung ab. Mehr dazu im Bereich Absichern.

PV, Speicher, Wallbox oder Wärmepumpe geplant?

Erste Einschätzung zu Ihrem Dach, Ihrem Speicher und Ihrer Ladelösung innerhalb von 36 Stunden.

Andreas Walkenhorst

Andreas Walkenhorst, Energieexperte

Andreas Walkenhorst arbeitet seit über zwölf Jahren in der Energiebranche, davor elf Jahre in der Versicherungs- und Finanzberatung. Mit seinem Unternehmen Walkenhorst Energie berät er Privat- und Gewerbekunden zu Strom, Gas, Photovoltaik, Wärmepumpen und E-Mobilität.

Rabot Energy und SpotmyEnergy sind Partner, deren Produkte er vermittelt; ihre Nennung ist keine Bewertung des gesamten Marktes.